| IT-Sicherheit
wird fälschlicherweise oft nur mit „Passwortabfrage“ und „Firewall“ übersetzt.
Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, DIN-Normen und Kriterien des BSI
(Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), die IT-Sicherheit
definieren, jedoch auch nicht immer eingängig genug. Eine
im folgenden beschriebene semantische Definition gibt
Hinweise, wo und wie „IT-Sicherheit“ zum Tragen kommt und welche
Maßnahmen
einzuleiten wären, wenn IT-Systeme daraufhin analysiert werden, und das
es
strategischer Entscheidungen bedarf, um IT-Sicherheit einzuführen.
Gerade im Umfeld von Zahlungsverkehr und Abrechnungssystemen, die eine
hohe Sicherheit der Daten und Programme erfordern, sind Systeme in
Hinsicht dieses erweiterten Begriffs der IT-Sicherheit sehr gefordert.
Daher beschäftigen wir uns intensiv mit diesem Aspekt und wollen auf
dieser Seite einige Anregungen zu diesem Thema geben.
Diese Darstellung ist wie folgt unterteilt:
Wesentlich ist die Betrachtung der IT-Sicherheit aus zwei Sichten (auch „duale Sicherheit“ genannt):
- Die Sicherheit der Systeme, und die
- Sicherheit der Betroffenen.
Auf die Systeme bezogen wird von Verlässlichkeit
gesprochenen, die Sicherheit vor dem System wird Beherrschbarkeit
genannt. Beide Sichten ergänzen einander, sind also komplementär.
Verlässlichkeit eines Systems
Die Verlässlichkeit kann definiert werden als:
„Die
Sicherheit der Systeme in technischer Sicht beschreibt eine Sachlage,
bei die Systeme, die mit ihnen verarbeiteten Daten noch die Form der
Verarbeitung in ihrem Bestand, ihrer Nutzung oder in der Verfügbarkeit
unzulässig beeinträchtigt werden.“
Damit ein System als in diesem Sinne verlässlich angesehen werden kann,
muss betrachtet werden was den die Verlässlichkeit beeinträchtigen
kann, dem gegenüber stehen dann notwendige Eigenschaften die ein System
aufweisen muss:

Die Vertraulichkeit,
Integrität und Verfügbarkeit des Systems und all seiner Komponenten, d.h. der Geräte, Daten, Programme und
Personen, sind also notwendige Eigenschaften, die es gilt zu schaffen und zu
erhalten. Ein verlässliches IT-System muss also alle geforderten Aktionen ausführen,
alle nicht geforderten Aktionen zurückweisen und das alles in den geforderten
zeitlichen Rahmenbedingungen.
Viel Aufmerksamkeit gilt der Vertraulichkeit, Integrität und
Verfügbarkeit der an einem IT-System beteiligten Personen, viel Geld wird für die zugehörigen Geräte ausgegeben. Wesentlich ist aber Ausdehnung dieser
Eigenschaften auf alle Komponenten eines
Systems, d.h. auch auf die Programme:
Bekannt ist das Problem, dass ein fehlerhaftes Programm die
Verfügbarkeit
beeinträchtigen kann, bleibt der Fehler aber unerkannt führt dies zu
einer
ungewollten veränderter Funktionalität und somit zu ungewollten
Ergebnissen,
mithin wird neben der Verfügbarkeit auch die Integrität beeinträchtigt.
Der
Schaden, der durch fehlerhafte Programme entsteht, kann sehr schnell
sehr groß
werden, in der Öffentlichkeit werden immer wieder besonders
spektakuläre Fälle
bekannt (Ausfall eines Stellwerks in Hamburg, Anfängliche Unschärfe des
Hubble-Teleskops, fehlerhafte Renten-Abrechnungen). Höchste
Aufmerksamkeit auf
die Programme zu lenken ist also ein wesentlicher Bestandteil bei der
Betrachtung der IT-Sicherheit, mithin eine oft vernachlässigte Aufgabe,
sowohl
bei den Anwendern wie bei den Herstellern. Was dies für
Abrechnungssysteme bedeutet kann sich jeder vorstellen, der schon mal
eine fehlerhafte Abrechnung erzeugt hat, und entweder erst durch
Reklamationen der Kunden darauf aufmerksam gemacht wurde (der "GAU"),
oder erhebliche Mittel aufwenden musste, um die fehlerhafte Abrechnung
zu korrigieren bevor diese den Kunden erreicht.
Womit der Bogen zu den Anwenderngeschlagen wäre: Die Beherrschbarkeit beschreibt aus der Sicht der Betroffenen
die Sicherheit vor dem System.
Durch
die Verlässlichkeit eines Systems ist noch nicht gewährleistet, dass
das Funktionieren im Sinne des Betroffenen ist, seine Belange
berücksichtigt und für ihn nachvollziehbar sind. Da dem Anwender oder
Betroffenen die Möglichkeit zur unmittelbaren Wahrnehmung dessen fehlt,
was in einem IT-System passiert, müssen weitere Eigenschaften definiert
werden, um ein IT-System aus Sicht des Betroffenen sicher zu machen:

Damit Daten, Prozesse oder Ereignisse in einem IT-System nachprüfbar
und rechtsverbindlich sind, müssen alle Vorgänge und Ergebnisse, d.h.
alle Aktionen und Daten, zu definierbaren Auslösern zugeordnet werden
können (Zurechenbarkeit). Für Empfänger von Abrechnungen ist die
Zurechenbarkeit in die Korrektheit der Abrechnungsergebnisse ein
wesentliches Vertrauens-Merkmal.
Weiterhin muss diese Zuordnung auch gegenüber unbeteiligten
Dritten beweisbar sein (Revisionssichereit
bzw. Rechtsverbindlichkeit):
Mit
wachsender Nutzung moderner IT-Systeme auch für wirtschaftliche und
administrativer Zwecke genügt es nicht mehr nur die Zurechenbarkeit
festzustellen, vielmehr müssen solche Abläufe und Daten aktuell und
vollständig
so dokumentiert sein, dass die Dritten gegenüber beweiskräftig sind.
Auch wenn keine "hoheitlichen" Daten (wie z.B. die Maut) abgerechnet
werden, ist die Revisionssicherheit eine wesentliche Anforderung an ein
Abrechnungssystem.
Zurechenbarkeit
und Revisionsfähigkeit im IT-System
Bei der Betrachtung dieser Eigenschaften wird der Blick eher
auf die einzelnen Programmfunktionen eines Systems gelenkt: Kann z.B. wirklich
jedes Abrechnungssystem beweisen, wie Abrechnungsdaten zustande kommen? Wer
z.B. schon einmal versucht hat seine Telefonrechnung nachzurechnen, könnte
leise Zweifel entwickeln, die Prozesse gegen Telekommunikationsunternehmen
zeigen hier oftmals die Grenzen dieser Sicht: So argumentieren die Unternehmen
u.a., nicht sie müssten die Korrektheit ihrer Systeme beweisen, sondern der
Betroffene die Unkorrektheit, was ihm mangels Kenntnis der IT-Systeme und
mangelnder Möglichkeit zur unmittelbaren Wahrnehmung nicht gelingt. Diese
beiden Eigenschaften sind also nicht notwendigerweise in einem System
vorhanden, sondern müssen explizit implementiert werden.
Ein sicheres IT-System in dieser Betrachtung entsteht
also erst, wenn das System verlässlich aus technischer Sicht und
beherrschbar aus Anwendersicht ist:

Erweiterungen der
semantischen Definition
Die bislang aufgeführten Eigenschaften eines System
- Vertraulichkeit
- Integrität
- Verfügbarkeit
- Zurechenbarkeit
- Revisionsfähigkeit
sind als grundlegend zu betrachten, wenn vernünftige
Sicherheitskonzepte für IT-Systeme behandelt werden. Hilfreich ist
jedoch auch die Erweiterung oder Verfeinerung dieser Eigenschaften, sie
gibt Hinweise auf mögliche Lücken im Sicherheitskonzept. So können z.B:
Eigenschaften wie
- Wartbarkeit
- Flexibilität
- Stabilität
- Robustheit
aufzeigen, wie verlässlich ein System sein kann:
- Fehlende Stabilität führt natürlich schnell zu fehlender Verfügbarkeit und ggf. zu fehlerhaften Daten.
- Fehlende Wartbarkeit und Flexibilität kann dazu
führen, dass veränderte Anforderungen nicht oder nicht nachvollziehbar
umgesetzt werden, hier wären die Eigenschaften Zurechenbarkeit oder gar
Revisionsfähigkeit gefährdet.
"Fehlerhaft arbeitende Komponenten"
Als zusätzliche Komplikation muss ein IT-Sicherheitskonzept
natürlich auch die Mitwirkung fehlerhaft
arbeitender Komponenten berücksichtigen. Hier führen Eigenschaften wie Robustheit oder Fehlertoleranz dazu, dass ein System im Fehlerfalle nicht in einen
undefinierten Zustand gerät, sondern sich kontrolliert verhält,
wiederaufsetzbar bleibt oder gar selbstheilend agiert. Nicht nur dass es keine
100% fehlerfreien Programme gibt zeigt die Notwendigkeit zur Beachtung dieser
Eigenschaften, in der Regel arbeiten ja Menschen mit einem IT-System und müssen
auch als „fehlerhaft arbeitende Komponente“ berücksichtigt werden. So muss ein
Programm also auch Fehler in der Bedienung erkennen können und „schlimmstes“
verhindern können (siehe die oft genannte Ursache „menschliches Versagen“ beim
Umgang mit Maschinen jedweder Art).
Mit dieser einfachen und doch umfassenden Definition der
„IT-Sicherheit“ lässt sich das Spektrum der zu betrachtenden Komponenten
schnell erweitern und in eine IT-Sicherheits-Strategie in jedem IT-Umfeld
integrieren. Es wird sich zeigen, dass IT-Sicherheit nicht nur eine Aufgabe des
Netzwerkadministrator ist, der eine Firewall zu konfigurieren hat, sondern auch
schon bei der Planung und Implementierung von Abrechnungssystemen zum tragen
kommt und somit auch eine wesentliche Entscheidung des IT-Managements
voraussetzt. |